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angedacht

 

„4ever“ – Oder:
Gibt es im Himmel Fernsehen?

Jahr der Taufe 2011

Grafik: www.gemeindebrief.de

Wie stelle ich mir den Himmel vor?“ Das war die Hausaufgabe zum Thema „Leben und Tod“, die ich den Konfis aufgegeben hatte. Sie sollten wahlweise ein Bild dazu malen oder einen Text schreiben. Ein Jugendlicher hatte es sich auf den ersten Blick etwas zu einfach gemacht. In großer Schrift stand auf einem Zettel „4ever“ geschrieben. Beim weiteren Nachdenken über dieses eine Wort musste ich aber schmunzeln, denn eigentlich hatte der Konfirmand doch genau auf den Punkt gebracht, worauf Christen hoffen dürfen. „4ever“, also nach der Auferstehung von den Toten für immer und ewig leben zu dürfen, ohne zeitliche Begrenzung, eine für uns (noch) unvorstellbare Aussicht! Ein anderer stellte die pfiffige Frage: „Herr Will, gibt’s im Himmel eigentlich auch Fernsehen?“ Er erntete Gelächter. Bei Licht betrachtet, wäre es ja schon sehr merkwürdig, wenn Fernsehen in Gottes Reich nötig sein sollte, wo „Himmel“ doch die absolute Kommunikation bedeutet, tiefstes Verstehen und Verstanden werden.


Spontan merkte ich noch an, dass ich mir, im Bild gesprochen, Fernsehen aber durchaus als Höllenqual vorstellen könnte: Als Dauerberieselung rund um die Uhr mit den übelsten, schäbigsten Sendungen des Privatfernsehens, ganz ohne erholsame Werbepause, eben 4ever!


Wie stellen Sie, wie stellt Ihr Euch die Ewigkeit vor? Bald kommt wieder die dunkle Jahreszeit mit dem Ewigkeitssonntag am Ende des Kirchenjahrs, an dem besonders der Toten gedacht wird. Nun ist es vielleicht so etwas wie ein natürlicher Reflex, dass Gedanken über Tod, Sterben und Ewigkeit hinausgeschoben oder gar verdrängt werden. Ich möchte heute dazu ermutigen, sich einmal intensiver damit zu befassen, z.B. in einer stillen Stunde biblische Hoffnungstexte zu lesen und bewusst mit in den Alltag zu nehmen. Ich bin davon überzeugt, dass uralte Texte, Bilder und Symbole des Glaubens sich dann als alltagstauglich erweisen werden. Ein Mädchen stellte sich vor, dass im Himmel kein Geld mehr nötig sein wird. Warum? Weil dann alle Bedürfnisse erfüllt sind und der Mensch am Ziel ist. Hierzu ein Zitat aus dem Alten Testament:


„Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“

(Jesaja 55,1)


Hoffnungen dieser Art schärfen zugleich auch den kritischen Blick auf die irdische Gegenwart, etwa wo der Wert des Geldes an sich und der des Euro im besonderen ein fast schon alles beherrschendes Thema geworden ist. Auch wenn die Finanzprobleme Europas vernünftig gelöst werden müssen, haben wir noch ein Gespür und Mitleid für die Durstigen und Hungrigen am Horn von Afrika mit Problemen, bei denen es wirklich um Leben

und Tod geht?


Die Konfirmandin zählte noch weitere Vorstellungen auf, die vorwiegend darauf hinausliefen, was dann im Himmel einmal nicht mehr sein wird, z.B. Fabriken, die die Umwelt verpesten, oder Krankheiten, die den Menschen quälen. Intuitiv hatte sie auf den Punkt gebracht, wie es z.B. in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird:


„Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

(Offenbarung 21,3-4)


Wir alle müssen eines Tages unsere „irdische Behausung“ aufgeben und loslassen, auch wenn wir noch so sehr die Augen davor verschließen. Wenn wir einander doch nur stärker darauf aufmerksam machten, dass Gott in Jesus Christus schon bei uns wohnt und in seinem Heiligen Geist unter uns ist und wirkt! Wenn wir dieses endgültige Ziel einer ewigen Heimat doch nur ernsthafter bedenken würden, wie viel mehr könnten wir in diesem oft so zerrissenen Leben einander Schutz und Heimat bieten, Tränen trocknen und trösten, sozusagen ein „Probewohnen“ für die Ewigkeit! Wenn wir doch einander intensiver dazu anleiten würden, selbst auferlegte Denkverbote zu überwinden, wenn es um etwas Fantasie für ein gelingendes Miteinander in dieser irdischen Lebenszeit geht, und auch auf diese praktische Weise uns auf Gottes kommendes Reich einstellten!

Eine Anregung zum Schluss: Gehen Sie, geht Ihr doch einmal mit dem plakativen „4ever“ des Konfirmanden bewusst in den neuen Tag oder in eine ganze Woche. Dieses Wörtchen „4ever“ etwa als kritischer Begleiter, wenn man sich wieder einmal über etwas ungemein aufregt oder tieftraurig ist. Behält die Aufregung oder die Traurigkeit noch das Gewicht vor der Perspektive der Ewigkeit? Trotte ich in meinen Lebenszielen nur wie ein Schaf der Herde hinterher, oder lasse ich mich darin auch hinterfragen im Licht von Gottes Wort?  Die Alten sprachen vom „Ewigkeitswert“, einer kritischen Größe, um die rechte Gewichtung von allem Tun und Lassen einzuschätzen. In diesem Sinn wird eine stärkere Orientierung an der Ewigkeit, dem endgültigen Ziel Gottes, für Christen nicht zur Flucht aus der Verantwortung führen, sondern dazu dienen, dieses Leben mit all seinen Höhen und Tiefen aus Gottes Hand zu nehmen und bewusst zu gestalten. Dazu schenke er uns Glauben und Hoffnung und Liebe und viel, viel Fantasie.


Ihr Martin Will, Pfr.