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Offene Kirche
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Offene Kirche - Geschichtliches 3

Dr. Franz-Josef Vogt aus Nümbrecht hat die Restaurierung der barocken Kleine-Orgel als sachkundiger Denkmalschützer begleitet. Für die Orgel-Festschrift hat er einen Beitrag
zur Orgelgeschichte geschrieben. Hier können Sie die ungekürzte Fassung nachlesen.

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Dr. Franz-Josef Vogt, Zur Orgelgeschichte der ev. Kirche Eckenhagen   
Zur Orgelgeschichte der ev. Kirche in Eckenhagen
von Dr. Franz-Josef Vogt

Aus der Baugeschichte der Kirche

 Die bis dahin vorhandene romanische Kirche, im Liber valoris um 1274 genannt, in der sich eine 1717 von Christian Nohl in Allinghausen erbaute Orgel befand, wurde 1764 wegen Baufälligkeit niedergelegt und unter Pfarrer Johann Gerhard Büren (1736-1815) unter Beibehaltung des Westturmes von einem Neubau ersetzt, der allerdings kein hohes Alter erreichen sollte. Möglicherweise wurde für dieses Gotteshaus auch eine neue Orgel beschafft; denn in dem folgenden Bericht ist von einer kostbaren neuen Kirchenorgel die Rede. Durch einen verheerenden Brand (17./18. April 1777) wurden im Dorf außer der Schule 47 Häuser vernichtet und die Kirche weitgehend zerstört. Über das Ausmaß der Katastrophe gibt ein zeitgenössischer Bericht Auskunft: [...] zwischen zwölf und ein Uhr ist das Dorf Eckenhagen mit der kostbaren neuen Kirchenorgel, Kirchthurm benebst denen schönen Klocken verbrand und ist das Feuer in Zeit 14 Minuten über das ganze Dorf diesseits dem Wasser [Mähbach] gewesen [...] [1] Tatkräftig kümmerte sich Pfarrer Johann Christoph Büren (1744-1778), Bruder des vorhin erwähnten Johann Gerhard, um den Wiederaufbau der ausgebrannten Kirche. Für den Kirchenbau und die Innenausstattung mußten die Eckenhagener damals große Opfer bringen. Durch große Schenkungen aus Holland, durch Kollekten, durch Hand- und Spanndienste sowie durch käufliche Erwerbung der Kirchensitze [...][2]wurden die Kosten gedeckt. [3] Nach dem Tod von J. C Büren führte Pfarrer Johann Friedrich Hundhausen (1750-1829) vornehmlich mit der Beschaffung der Innenausstattung das begonnene Werk fort, das 1795 mit dem Einbau der neuen Orgel seinen krönenden Abschluß fand.
 

Die Orgelbauerfamilie Kleine

Als ältester nachweisbarer Vertreter der Familie, der als Orgelbauer tätig gewesen ist, wäre der um 1693 in Freckhausen geborene und dort 1773 verstorbene Johann Henrich Klein(e) zu nennen. [4] Aus welchen Gründen er zum Orgelbau gekommen ist, kann nur vermutet werden, zumal die Vorfahren überwiegend in landwirtschaftlichen Berufen tätig gewesen sein dürften. Vielleicht ging die Anregung zur Berufswahl von dem in Allinghausen tätigen Christian Nohl aus. Ungeklärt ist bislang, ob zwischen den Familien Nohl und Kleine auch verwandtschaftliche Beziehungen bestanden haben.

 Von Johann Henrich Kleine ist bekannt, daß er zwischen 1713 und 1721 in Ratingen (Krs. Mettmann) bei Peter Weidtmann dem Älteren (1647-1715) und dessen Sohn Thomas Weidtman (1675-1745), die als erste evangelische Orgelbauer im Rheinland wirkten, sein Handwerk erlernt hat. Der lutherische Prediger Peter Arnold Mering schreibt am 21. Febr. 1721 über ihn, daß derselbe Zeit seines Hierseins, da Er sich acht Jahre hierselbsten aufgehalten hat, sich so wohl bei seiner profession und gewerbe sehr embsig und geflissen erwiesen, als auch immerfort einen ehrbaren und sittlichen Wandel geführt, wie sein Lehr-Herr selbsten, nahmhaftiger Bürger allhier in Ratingen zum öfteren von ihm gegen mich geäußert. [5] Bei seiner dortigen Tätigkeit ist Kleine zweifelsohne mit dem niederländischen Orgelbau indirekt und direkt in Berührung gekommen; denn es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß er 1719 beim Aufbau der Orgel in der Remonstrantse Kerk von Amsterdam beteiligt gewesen ist und dort eigene Studien hat betreiben können, wie etwa Zeichnungen von Schleierbrettern, „gezeichnet von J. Henr. Kleine, bei seinem Auffenthalt in Amsterdam 1719“ [6] belegen.

 
Nach seiner Rückkehr aus Ratingen eröffnete Johann Henrich Kleine 1721 oder 1722 in Freckhausen eine eigene Werkstatt und heiratete zwischen 1732 und 1736 die aus Sotterbach stammende Gertraud (Gerdraut) Veltgen (gest. 1788). [7] Dieser Ehe entstammten fünf Kinder: Anna Katharina, Johann Christian, Johann Gerhard, Wilhelm Kleine und eine weitere Tochter, die 1758 im Alter von etwas mehr als 4 Jahren verstorben ist. Die Tochter Anna Katharina Kleine (1744-1807) heiratete 1770 den aus Altenkirchen stammenden Sigismund Andreas Ernst Roetzel (1728-1807).[8] Johann Christian (1737-1805) und Johann GerhardKleine (1741-1787) übernahmen 1768 die väterliche Werkstatt und führten sie nach dem Tod ihres Vaters (1773) eigenverantwortlich weiter und haben sehr viele und ausgezeichnete gute Orgelwerke gebaut, welche noch heute und auch noch lange Zeiten ehrende Andenken für sie sind.[9]

 
Johann Christian Kleine
ehelichte um 1768 Regina Wilhelmina Schoelers (1747-1784); aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, der erste, der später als „Doktor Kleine auf der Burg“ [10] in einer Erbangelegenheit genannt wird, und Gerhard, der nur fünfjährig am 21. Okt. 1787 verstorben ist. Der Bruder Johann Gerhard Kleine war seit dem 18. Juni 1783 mit Maria Margareta Dümpelmann verheiratet, beide dem Ehepaar geborene Töchter starben noch im Kindesalter.

 
Wilhelm Kleine, der sich später in Solingen niedergelassen hat, wird beim Verkauf der zum Gut Freckhausen gehörenden Burgmühle, die 1749 unter anderen einem Heymann Kleine gehörte, und bei der Erbteilung erwähnt. Bei dieser 1784/85 durchgeführten Teilung übernahmen die Brüder Johann Christian, Johann Gerhard und Wilhelm das Anwesen in Freckhausen, wobei Wilhelm sein Erbteil gegen eine Zahlung von 1425 Reichstalern den beiden Brüdern überließ. Sigismund Roetzel übernahm das seiner Ehefrau zugefallene Gut Sotterbach. Schließlich sollte 1786 noch die Werkstatt geteilt werden, dazu kam es allerdings nicht mehr, da Johann Gerhard Kleine am 28. Juli 1787 „im Alter von 46 Jahren 19 Tagen als ‚Geschickter Orgelbauer von Freckhausen’“ [11] verstorben ist. Johann Christian Kleine überlebte seinen Bruder um fast 18 Jahre und starb am 2. April 1805. In der von von ihmangelegten Dispositionssammlung von 1770 sind die bis 1787 gelieferten eigenen Werke mit Gebrüder Kleine als Erbauer aufgelistet, während danach, wie aus der Sammlung von 1796 ersichtlich, nur Christian Kleine genannt wird.[12] Nachfolger von Kleine wurde dessen Neffe Georg Wilhelm Christian Roetzel (1776-1867) [13], der nach der Lehrzeit bei seinem Onkel (1793-1798) in Kassel, Hannover und Leipzig als Geselle gearbeitet hatte, 1800 nach Hause zurückgekehrt war und 1803 die Werkstatt, die er 1806 nach Alpe verlegte, übernahm.

 
In die Zeit der Erbteilung fiel auch der Neubau des Hauses in Freckhausen, in das Johann Gerhard einzog und zusätzlich noch zwei Nebengebäude errichten ließ. Die Meinungen darüber, ob das heute noch vorhandene Gebäude (Freckhausener Straße 11) mit dem zuvor erwähnten von 1784/85 identisch ist, gehen auseinander. [14] Eine über dem früheren, später beseitigten Hauseingang vorhandene Balkeninschrift führt zu keiner schlüssigen Lösung, da dort 1782 als Baujahr, was noch hinzunehmen wäre, und Johann Henrich Kleine, der schon einige Jahre verstorben war, als Erbauer genannt werden:

 

BEFIEL DEM HERRN DEINE Wege
und hoffe auf ihn er wirts wohl     Joes peter müllenschlader b m [15]
Machen Psalm 37 Vers 5 Anno 1782 den 27 Agusto
Joes
Henr. Klein    Gerdrud Müllenschlader e l

 

Denkbar wäre jedenfalls, daß es sich bei diesem Gebäude ursprünglich um Wohnhaus und Werkstatt von Johann Heinrich Kleine gehandelt hat, das nun umfassend umgebaut worden ist. Vielleicht ist aus Pietätsgründen dessen Name beibehalten und nur die Jahreszahl ergänzt worden.

 
Vergleichbar mit anderen zeitgenössischen Orgelbauern scheint vor allem Johann Christian Kleine sich recht ausgiebig mit der Theorie seines Handwerks beschäftigt zu haben. Davon zeugen seine recht zahlreichen, erhalten gebliebenen Aufzeichnungen und seine für die damalige Zeit ungewöhnliche einschlägige Büchersammlung, die einen Großteil der damals bekannten Werke zum Thema Orgelbau umfaßt. [16] Seine Prospekt- und Detailzeichnungen bestechen durch ihre Genauig- und Anschaulichkeit. Sie konnten bei der Restaurierung der Eckenhagener Orgel, vor allem bei der Rekonstruktion fehlender Teile, wertvolle Dienste leisten; sie sind nicht nur historische Zeugnisse, sondern haben damit auch einen aktuellen Bezug zur Gegenwart.

 

Zur Orgelgeschichte

Aus Anlaß des einhundertsten Jahrestages der Einführung der Reformation wurde von Meister Nohl aus Allinghausen 1717 für 50 Taler eine neue Orgel aufgestellt,[17] die vermutlich nicht in den nach 1764 ausgeführten Kirchenneubau übernommen, sondern von einem neuen Instrument, über das nichts Näheres bekannt ist, abgelöst worden ist. Nachdem das beim Brand von 1777 verwüstete Kirchenschiff so weit wiederhergestellt war, wurden auch Überlegungen für einen Orgelneubau angestellt. Aus diesem Grunde forderten die Verantwortlichen 1782 von den beiden im Territorium der Kirchengemeinde ansässigen Orgelbauern Johann Christian Kleine und Franz Georg Nohl entsprechende Angebote an.

 

Nohl unterbot seinen Konkurrenten bei einer allerdings wesentlich kleineren Disposition um 400 Taler. Beide Voranschläge wurden einem Gremium von Gutachtern in [Wuppertal-] Elberfeld, darunter der Orgelbauer Johann Gerhard Schrey, Nachfolger von Jacob Engelbert Teschemacher (1711-1782), vorgelegt, das sich für den Entwurf von Kleine aussprach, da dieser der Größe der Kirche am ehesten entspräche, so daß man sich seitens des Kirchenvorstands diesem Votum anschloß und 1783 den Auftrag dementsprechend vergab. [18]

 Die prekäre finanzielle Lage verzögerte aber die Ausführung um einige Jahre. Dieser Umstand veranlaßte Johann Gerhard Nohl (1765-1828), Sohn von Franz Georg Nohl (ca. 1720-ca. 1798), der 1790 nach Beendigung seiner Lehre bei dem aus Schemmerhausen stammenden Johann Wilhelm Schöler (1723-1793) in Bad Ems in den väterlichen Betrieb zurückgekehrt war, den Orgelneubau für die eigene Werkstatt zu gewinnen, indem er zu argumentieren versuchte, die Auftragsvergabe an Kleine sei inzwischen verjährt. Kleine scheint diese Bemühungen des Gegenspielers einigermaßen gelassen bewertet zu haben, wie seine eigenen Einlassungen [19] verraten:

Jezt fiel es dem jungen Nohlen ein, sich gleich anfangs in seinen jugendlichen Orgelbau-Jahren, durch
eine neue Orgel in seine Pfarrkirche zu Ekkenhagen unsterblich berühmt zu machen: lief um die
Prediger, Scheffen und Vorsteher wie auch um den Organisten, erbote sich die Orgel um 200 rh
wohlfeiler als Kleine zu machen [...] suchte bei obgemelten Predigern Scheffen und Vorstehern Unter-
schriften, davon er jedoch keine erhielt, weil vorgeschützt ward, die Orgel sei an Kleinen verakkordirt
und sie hätten den Akkord unterschrieben, könten also nicht zweien unterschreiben. [...]

Auch der Versuch Nohls, den Organisten mit 100 Talern zu bestechen, damit dieser sich für eine Aufhebung des mit Kleine geschlossenen Vertrags einsetze, zeigte nicht den gewünschten Erfolg, der Kirchenvorstand blieb bei seiner getroffenen Entscheidung und zahlte auf Osterdinstag 1793 500 rh. Vorschus-Gelder [20] an den Orgelbauer, der darufhin seine Planungen beschleunigte und sich spätestens gegen Ende dieses Jahres an die Arbeit machte.

 
Zur Disposition Kleines [21] ergibt sich die nachstehende Auflistung, zum Vergleich wird die von Nohl gegenübergestellt.

 

Tabelle_kleine_nohl

 

Das Orgelgehäuse und die von Höchstätter in Drolshagen angefertigten Schnitzereien wurden im November 1794 mit Fuhrwerken zur Kirche gebracht, im Frühjahr 1795 folgten Pfeifen, Windladen und Trakturen, die dann von Kleine und  seinen Gesellen eingebaut wurden, die anschließende Intonation und Stimmung nahmen 351/2 Tage in Anspruch. Am 24. Juli 1795 konnte das fertige Orgelwerk an die Gemeinde übergeben werden. Auf die Vertragssumme von insgesamt 1700 Talern wurde am 4. Dez. 1795 ein Restbetrag von 200 Talern an Kleine ausgezahlt. Daraus ist zu schließen, daß die Orgel vertragsgemäß ausgeführt worden ist und zur Zufriedenheit der Auftraggeber ausgefallen war.

 Im Laufe des 19. Jahrhunderts waren Christian Roetzel (1776-1867), dessen Sohn Daniel Roetzel (1830-1917) und Gerhard Nohl mit dem Unterhalt des Instruments betraut. Der Erstgenannte ist 1839 mit Reparatur und Nachintonation für 156 Taler nachzuweisen. Bei dieser Gelegenheit dürfte das vorhandene Lamento 8’ zu einer Harmonika umgearbeitet worden sein. Im Rahmen einer 1861 für 186 Taler 15 Sgr. durch Daniel Roetzel vorgenommenen Generalüberholung wurde eine zartere Intonierung mehrerer Register [22] vorgenommen. Der Kostenanschlag vom 18. Nov. 1859 [23] vermerkt außerdem:

          „[...] Die Pfeifen der eingestrichenen Octave der Viola di Gamba 16 Fß. sind stellenweis zu dünn um
             einen sichern guten Ton zu geben, weshalb diese Pfeifen gegen neue von demselben Metall zu
             vertauschen sind [...]“

Nach Beendigung der Arbeiten wurde dem Orgelbauer von Seiten der Kirchengemeinde bescheinigt, daß dieselben ,soweit es die Unterzeichneten beurtheilen können, gut ausgeführt worden [24] sind. Zwischen 1864 und 1914 bestand ein Wartungsvertrag mit Daniel Roetzel.

 
Neben der zuvor genannten Dispositionsänderung scheinen im weiteren Verlauf des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts noch weitere vorgenommen worden zu sein. Eine zu Beginn der fünfziger Jahre von Hans Hulverscheidt [25] erstellte Auflistung ergibt folgenden Bild:

             Salicional             8’anstelle von Sesquialtera 2f. 3’,
             Quinte                22/3            anstelle von Cimbal 2f. ½’,
             Vox coelestis        8’             anstelle von Lamento 8’ [?],
             Aeoline                 8’             anstelle von Violdi[gamba] 4’,
             Scharf 5fach reduziert auf 3fach,

             auf den beiden Leerschleifen, Vacuum 0, stehen Harmonika 8’ und Violon 16’.

Ein Teil der historischen Pfeifen findet sich in anderen Registern wieder: Quinte 22/3’ aus Sesquialtera, Harmonika 8’ aus Lamento 8’ (C. Roetzel). In der zuvor mitgeteilten Disposition ist keine Violdi[gamba] 4’, sondern ein Salicional 4’ vermerkt. Die Pfeifen von Violdi[gamba] 4’ (Salicional 4’) und Cimbal 2f. ½’ sind nicht mehr vorhanden. Nach einer
1918 durch Paul Faust aus Schwelm erfolgten Bestandsaufnahme war zu diesem Zeitpunkt die Cimbel (Cimbal) im Hauptwerk noch vorhanden, ein 4’-Streicher im Positiv wird nicht erwähnt.

 Als viele Nachbargemeinden nach 1900 daran gingen, neue, „moderne“ Orgeln zu beschaffen, konnte Eckenhagen in erster Linie aus finanziellen Gründen nicht mithalten und mußte sich weiter mit dem vorhandenen Instrument begnügen, so daß 1918 auch die Pläne für einen Neubau durch die Orgelbauwerkstatt Paul Faust nicht in die Tat umgesetzt werden konnten. Stattdessen konnte nur eine gründliche Reinigung, Instandsetzung und Intonation der Orgel [26] vorgenommen werden.

 Nachdem jahrzehntelang kaum etwas zum Unterhalt des Instruments geschehen war, setzten mit der Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg die Bemühungen für eine Restaurierung ein. 1954/55 wurden durch die Orgelbauwerkstatt Willi Peter, Köln-Mülheim, die entsprechenden Arbeiten nach den damaligen Erfahrungswerten durchgeführt. Der Pedalumfang, bis dahin von C bis g° reichend, wurde bis f¹ erweitert, was dazu führte, daß der Raum hinter dem Gehäuse danach eine unorganische Ansammlung von Pfeifen darbot, da für das umfangfreichere Pedalwerk kein schlüssiges Konzept entwickelt worden war.

 Während die Maßnahmen von 1954/55 vor dem Hintergrund des Kenntnisstandes vor fünfzig Jahren insgesamt noch zu tolerieren gewesen wären, hat der Eingriff, der zwischen 1970 und 1972, wiederum durch die Werkstatt Peter, erfolgte, mit Orgeldenkmalpflege nach heutigem Verständnis nur wenig gemeinsam.

 Es ist unbestreitbar, daß zu diesem Zeitpunkt gravierende Trockenschäden, hervorgerufen durch eine unsachgemäß angelegte Warmluftheizung, festgestellt worden sind. Dieser Tatbestand erforderte zweifellos eine nochmalige Überarbeitung der Windladen, wobei auch die Verstärkung der Ladenunterseiten durch abgesperrtes Material, entsprechend dem damaligen Restaurierungsstandard, durchaus zu vertreten wäre.

 Alles, was darüber hinaus erfolgt ist, bedeutete schlichtweg eine Verfälschung der Intentionen des Erbauers. Es mag noch hinzunehmen sein, daß man damals dem Trend folgend Teleskophülsen, die sich nach aktuellem Kenntnisstand generell nicht bewährt haben, als Schleifendichtungen eingebaut hat. Was aber gab Veranlassung, die vorhandenen intakten Spielventile gegen parallel aufgehende, die im 18. Jhdt. gänzlich unbekannt waren, zu ersetzen ? Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, daß die letztgenannten Änderungen, wenn auch mit einigem Aufwand, noch als reversibel einzustufen sind

 Der größte Substanzverlust allerdings war ohne Zweifel der Ersatz der vorhandenen Spielmechanik in überkommener Holzbauweise durch die in dieser Zeit gerade recht aktuelle Seilzugtechnik, mit der die vermeintliche Zähigkeit mechanischer Trakturen beseitigt werden sollte. Das Ergebnis dieser Fehleinschätzung konnte jeder Organist, der die Orgel spielte, schon nach wenigen Jahren überdeutlich erfahren. An die Stelle einer vermeintlichen Schwergängigkeit war eine schlabbrige, unpräzise Anschlagsart getreten.

 Ferner wollte man in dieser Zeit nicht respektieren, daß das Instrument nicht der gängigen Stimmtonhöhe entsprach, sondern um einen halben Ton höher stand, was dazu führte, daß man die Pfeifen nach oben aufrückte und alle C-Pfeifen neu anfertigte. Hier mag man einwenden, daß unter den vor dieser Änderung gegebenen Bedingungen ein Zusammenspiel mit Melodieinstrumenten zumindest erschwert gewesen ist. Es ist allerdings fraglich, ob diese Argumentation einen solchen Eingriff rechtfertigt.

 Letztendlich muß es bedenklich stimmen, wenn innerhalb von etwas mehr als fünfzig Jahren eine erneute dritte Restaurierung erforderlich gewesen ist, die nunmehr konsequent versucht hat, den Intentionen von Johann Christian Kleine gerecht zu werden, der für seine Zeit und mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Hervorragendes geleistet hat.

 


[1] Branscheid, Ernst: Chronik von [Berg-] Neustadt. Waldbröl 1938, S. 303

[2] Ein auf der Empore befindlicher Sitz mit der Nr. 8 war von Sigismund Roe[t]zel und Christian Braun erworben worden.

[3] Gerhard, Oswald: Eckenhagen und Denklingen im Wandel der Zeiten. Eckenhagen 1953, S. 241

(Im weiteren Verlauf zitiert als Gerhard, Eckenhagen.)

[4] KA Marienhagen, K 2, S. 243: 1773 den 17. Nov. ist Herr Orgelmacher Joh. Henr. Klein von Freckhausen begraben worden alt 80 ½ Jahr.

[5] Gerhard, Oswald: Der Orgelbau im Oberbergischen. In: Bergisch-Jülichsche Geschichtsblätter, 7. Jg., Nr. 2/3,

[Wuppertal-] Elberfeld 1930, S. 27

 

[7] Bullmann; S. 7, Anm. 14: Gertraud Veltgen stirbt am 12. 3. 1788 im Alter von 73 Jahren und 7 Monaten.

[8] „1728, den 29. September ist Herrn Johann Georg Roetzels I. N. Patrici Söhnlein, so dem 26. eiusdem Nachmittags 4 Uhr geboren, getauft worden, namens Sigismundis Andreas Ernestus.“ (Eintrag im Taufbuch der

ev. Kirchengemeinde Altenkirchen)

[9] Aus einer Niederschrift des Daniel Roetzel; zitiert nach Gerhard (wie Anm. 3), S. 28

[9] „1728, den 29. September ist Herrn Johann Georg Roetzels I. N. Patrici Söhnlein, so dem 26. eiusdem Nachmittags 4 Uhr geboren, getauft worden, namens Sigismundis Andreas Ernestus.“ (Eintrag im Taufbuch der

ev. Kirchengemeinde Altenkirchen)

[9] Aus einer Niederschrift des Daniel Roetzel; zitiert nach Gerhard (wie Anm. 3), S. 28

[10] Bullmann, S. 8

[11] Zitiert nach Bullmann, S. 8, Anm. 20

[12] Bullmann, S. 9/10

[13] Eintrag im Taufbuch der Kirchengemeinde Eckenhagen:

Nomina locorum                  Parentes et Patricii                Nomina Baptizatorum

cum mense et die

     Alpe 20 Dec.                    H. Sigismund Andr.                 Georg Wilh. Christian

                [1776]                     Ernestus Rözel, Fr. Anna

                                               Cathar. Georg Wilhelm

Klein, Conj.

Patr. H. Johann Christian

Pischard, Christian Medicus

H. Joh. Wilh. Klein

Frau Juliana Schölers

[14] Kotthaus, Martin: Die oberbergischen Orgelbauer und ihr Erbe. In: Beiträge zur oberbergischen Geschichte, Bd. 4, Gummersbach 1993; S. 118

[15] Jo[hann]es Peter und Gertrud Müllenschlader sind die Vorfahren der heutigen Hausbesitzer.

(Frdl. Mitteilung Frau Claudia Schmiechen, Köln u. Freckhausen, vom 24. Okt. 2007)

Ein Christian Müllenschla[e]der ist als ist als Mitarbeiter von Christian Roetzel nachzuweisen. (Bullmann, S. 14)

[16] Eine genaue Auflistung bei Bullmann, S. 10

[17] Gerhard, Eckenhagen, S. 238

[18] Bullmann, Franz Gerhard: Die rheinischen Orgelbauer Kleine – Roetzel – Nohl, Teil II: Quellen zur Orgelbaugeschichte. München 1974, S. 65:

Die drum ersuchte Orgel-Kenner gaben folgendes:

Da der Kirchmeister Jaeger heut dato über obige beide Orgel-Dispositionen  unser Gutachten verlangt; so haben wir nicht ermangeln wollen noch können, Ihme hirunter zu wilfahren und nach unserm besten Wissen  und Gewissen zu attestiren das die erste von obgemelten beiden Dispositionen der  neu erbauten Kirche zu Ekkenhagen [...] angem)essener und convenabler auch nach Proportionen die Wohlfeilste sei, als die zwote und keineswegs zu stark a) drinnen sein wird. [...]

a) Nohl hatte die Blame ins Kirspel gemacht: die Orgel nach Kleinen Disposition würde viel zu stark, es Blieben,

wen man sie los liesse, keine Fenster an der Kirche ganz.

[19] Bullmann II, S. 66

[20] Ebd.

Bullmann (S. 57) gibt noch ein weiteres Datum, nämlich den 27. Dez. 1793, für die erste Abschlagszahlung an.

[21] Bullmann, S. 56/57

[22] Bullmann, S. 58

[23] KA Eckenhagen, Best. II, Akten 71/1-3-1

[24] Ebd.

[25] Hans Hulverscheidt: Die Orgel in der ev. Kirche zu Eckenhagen (Reg.-Bez. Köln). In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte, Bd. 3, Nr. 26 (Mai 1965), S. 54

[26] KA Eckenhagen, Best. II, Akten 71/1-3-1